Kategorie-Archiv: Berichte

Pilotprojekt abgeschlossen

Zum Ende des Jahres konnte das Pilotprojekt zur Durchführung von Schwachstellenanalysen in als besonders gefährdet eingestuften Bereichen der Deutschen Bundesbank abgeschlossen werden.

Auf dem Foto (v.l.): Markus Wisckow (Teilprojet IT-Beschaffung), Simon Charisis (Teilprojekt Bau-Vergabe), Yannik Morbach (Koordination), Carsten Stark (Projektleitung).

 

Bericht zur Jahrestagung 2019

Was tun im Korruptionsfall?

Die Tagung des Institutes für Korruptionsprävention IfKp e.V. fand heuer am 11. Und 12. Juli an der Hochschule Hof statt. Über 60 Antikorruptionsbeauftragte und Compliance-Officer informierten sich über das diesjährige Thema „Was tun im Korruptionsfall? Vorbereitet sein!“

Seit vielen Jahren engagiert sich das IfKp e.V. für die Korruptionsprävention. Die bisherigen Jahrestagungen waren daher auch speziell auf diesen Bereich ausgerichtet. Eine geringere Rolle spielt in der Praxis der Korruptionsprävention aber leider das Thema, wie genau man vorgehen sollte, wenn es zu einem Korruptionsfall im Unternehmen oder in der Behörde gekommen ist, bzw. wenn ein sehr starker Anfangsverdacht für eine solche Straftat vorliegt und die Staatsanwaltschaft u.U. schon mit ihren Ermittlungen begonnen hat.

Was macht man eigentlich, wenn es zu einem Korruptionsfall gekommen ist? Wie erkennt man, ob hier ein begründeter Anfangsverdacht besteht? Wie und wann setzt man sich mit den Ermittlungsbehörden in Verbindung? Wie sieht die Zusammenarbeit aus? Welche rechtlichen Konsequenzen können sich für die Dienstherren aus einem Korruptionsfall ergeben? Und welche öffentliche Reaktion ist zu erwarten, bzw. wie sieht hier eine gute Pressearbeit aus?

Regierungsdirektor Klaus Völkel setzte sich in seinem Eröffnungsvortrag mit der ganz praktischen Frage auseinander, welche Indikatoren für Korruption valide sind, und wie sie rechtlich eingeordnet werden müssen.

Franz-Josef Meuther vom Landeskriminalamt NRW ging in seinem Vortrag auf die Tätigkeit der Ermittlungsbehörden ein und zeigte an ganz praktischen Fällen, wie eine gute Zusammenarbeit der Unternehmen / Behörden mit den Ermittlungsbehörden aussehen sollte.

Adam Breuninger von der Landeshauptstadt Stuttgart machte deutlich, welche Haftungsrisiken für die betroffene Organisation bestehen, wenn sie keine genügenden Compliance-Aktivitäten vorweisen kann.

Carsten Stark stellte daraufhin der Stand der Forschung zum Thema Korruptionsprävention dar und zeigte in seinem Vortag auf, welche Instrumente der Prävention von einem Unternehmen / einer Behörde erwartet werden können, damit es zu keinem Haftungsproblem kommt.

Reiner Chwoyka (Direktor des Amtsgerichtes Hof) veranschaulichte in seinem Vortrag sehr deutlich die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaften. Spätestens hier wurde allen Teilnehmern deutlich, wie wichtig eine präzise Vorarbeit von Seiten der Antikorruptionsbeauftragten ist, da jetzt ein „Nachrudern“ oder „Nachbessern“ nicht mehr möglich ist oder zumindest zu sehr großen rechtlichen Problemen führen kann.

Die Tagung wurde mit einem Vortrag von Giesela Rüß (Vorstand von Transparency Deutschland) abgeschlossen, die auf die öffentliche Wahrnehmung bei Korruptionsfällen einging und an aktuellen Beispielen aufzeigte, welche medialen Auswirkungen mit Korruptionsfällen verbunden sein können.

Aufgrund des starken Interesses der Teilnehmer wurden währen der Tagung Workshops zu den Themen Risikoanalyse und Schwachstellenanalyse angeboten.

Für nächstes Jahr wünschten sich die Teilnehmer Informationen zum Thema „Datensicherheit, Datenmanipulation und Korruption“. Nächsten Juli wird es daher zu diesem Thema eine Tagung des Institutes zu diesen Themen geben.

Vorstellung der Projektergebnisse

Ergebnisse zu kommunaler Korruptionsprävention

Berlin. Anfang März präsentierten die Projektmitglieder des Hofer Forschungsprojektes zur kommunalen Korruptionsprävention vor über einhundert Anti-Korruptionsbeauftraten im Berliner Hotel Abakus ihre Ergebnisse.  Das Forscherteam hat in den letzten drei Jahren in intensiver Zusammenarbeit mit Stuttgart, Dresden, Bad Homburg und Braunschweig die Möglichkeiten kommunaler Korruptionsprävention evaluiert. Das Projekt wurde vom BMBF in Höhe von knapp 300.000 € gefördert und war Teil eines größeren Verbundprojektes zum Thema „Risikokommunikation der Korruption (RiKo). Zunächst stellte Ina Hundhammer-Schrögel (IfKp e.V.) den ganzheitlichen Ansatz des Institutes für Korruptionsprävention vor. Ihr Augenmerk lag auf dem Thema der personalen und organisationalen Integrität. Dieser ganzheitliche Ansatz unterscheidet sich deutlich von jenen, die lediglich auf restriktive Maßnahmen setzen. Anschließend stellten Carsten Stark und Alexander Balzer einzelne Ergebnisse der quantitativen Risiko- und qualitativen Schwachstellenanalysen bei den teilnehmenden Kommunen vor. Ihren Ergebnissen zufolge sind klassische Ansätze der Korruptionsprävention wie etwa das Rotations- und Mehraugenprinzip praktisch unwirksam bzw. so gut wie nicht implementiert.

Die Erfahrungsberichte der Anti-Korruptionsbeauftragten aus Bad Homburg, Braunschweig und Stuttgart verdeutlichten, wie wichtig die genaue Analyse von komplexen Verfahrensabläufen für die Kommunen sind. Vor allem eine methodisch fundierte und praktisch machbare Risikoanalyse wurde durchweg als Grundvoraussetzung für die Implementation weiterer präventiver Maßnahmen angesehen. Die Reaktionen auf die Zusammenarbeit mit dem Hofer Forscherteam waren durchweg positiv, so das auch weiterhin eine Kooperation stattfinden wird. Abschließend präsentierte die Hofer Gruppe ein zielgruppen- und tätigkeitsorientiertes Schulungskonzept zur Korruptionsprävention. In dieses Konzept wurden die Ergebnisse der empirischen Analysen implementiert. In vier aufeinander abgestimmten Modulen sollen in Zukunft Antikorruptionsbeauftragte, Vorgesetzte und Beschäftigte in sog. besonders gefährdeten Bereichen unterschiedlich und vor allem wissenschaftlich fundiert geschult werden. Ziel ist es, diese Module für die Zertifizierung kommunaler Anti-Korruptionsbeauftragter zu verwenden und möglichst als Teilmodule eines akademischen Studienganges zu etablieren.

Das Schulungskonzept und die Modulbeschreibungen wurden dann dem Praxispartner des Hofer Forschungsprojektes, dem Kommunalen Bildungswerk (KBW e.V.) in Berlin, zur weiteren Verwendung übergeben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse erscheinen beim Springer Gabler Verlag in Heidelberg unter dem Titel „Korruptionsprävention. Klassische und ganzheitliche Ansätze.“

 

Wachsendes Interesse an der „Praxis der Korruptionsbekämpfung“

IMG_4086cut-red1.2Auch in diesem Jahr blickt das Institut der Korruptionsprävention an der Hochschule Hof auf eine erfolgreiche Veranstaltung zum Thema „Praxis der Korruptionsbekämpfung“ zurück. Die bundesweite Fortbildung verzeichnete zum Vorjahr eine gestiegene Teilnehmerzahlen und ein deutlich gewachsenes Interesses an dem Thema.
Für die Vortragsreihe konnten erneut hochkarätige Experten der Korruptionsbekämpfung und Korruptionsprävention in Praxis und Forschung gewonnen werden. Die Veranstaltung begann nach der Begrüßung bekannter und neuer Gesichter mit einem einleitenden Vortrag von Prof. Carsten Stark zur steigenden Relevanz von organisationaler Integrität in der öffentlichen Verwaltung. Alexander Daniel Balzer lieferte eine Einführung in die Instrumente der Korruptionsprävention und einen praktischen Erfahrungsbericht bei der Umsetzung der Methodik der Schwachstellenanalyse. Nach Prof. Carsten Starks Vortrag über die Risikoanalyse, referierte Klaus Völkel über zwei Praxisbeispiele der Schwachstellenanalyse.

IMG_4283red1.4 Nach einem gemeinsamen Mittagsessen und einem regen Austausch lieferte Hanns-Jörg Bartsch (Antikorruptionsbeauftragter Bad Homburg v. d. Höhe) zum Thema Korruption am Bau und die Möglichkeiten der Rechnungsprüfung den Auftakt zur zweiten Vortragsreihe des Tages. IMG_4340red1.4Danach stellte Prof. Dr. Andreas Gourmelon (FHVR Gelsenkirchen) erste Ergebnisse einer Langzeitstudie zu Integritätstests im öffentlichen Dienst vor. Als Abschluss des offiziellen Programms stellte Dr. Peter Glinder (Antikorruptionsbeauftragter LHS Stuttgart) die Anforderungen an den Antikorruptionsbeauftragten und die Herausforderung einer mögliche Profilbildung da. Den krönenden Abschluss der Fortbildung „Praxis der Korruptionsbekämpfung“ bildete Professor Dr. Hartmut Schweitzers Abendvortrag über Korruption in China.

Wir freuen uns Sie auch das nächste Jahr mit neuen Veranstaltungen, Vorträgen und Workshops begrüßen zu dürfen.